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12. Solarstrahlung
Hintergrund
Die Solarstrahlung (Globalstrahlung) wird in W/m² gemessen. Sie ist also eine Energieform (im Gegensatz zur Erfassung der Helligkeit). Sie kann auf verschiedene Arten gemessen werden, wobei es 3 Hauptmessverfahren gibt.
Pyranometer
Professionelle Wetterstationen nutzen ausschließlich sogenannte Pyranometer zur Messung der Solarstrahlung (Globalstrahlung). Bei diesen Geräten wird vereinfacht gesagt über entsprechende Thermoelemente die Temperaturdifferenz zwischen einem schwarzen Körper und der Umgebung gemessen. Der schwarze Körper absorbiert dabei die auf ihn treffende Wärmestrahlung. Über die Temperaturdifferenz kann die erfasste Strahlung ermittelt werden. Vorteil dieser Messmethode ist, dass über das gesamte Sonnenspektrum eine nahezu flache Messcharakteristik herrscht. Damit sind diese Messgeräte extrem genau und unabhängig vom zum Messzeitpunkt vorliegenden Sonnenspektrum. Nachteil für Privatanwender ist jedoch, dass die Messgeräte sehr teuer sind1).
Photovoltaischen Strahlungsmesser
Photovoltaischen Strahlungsmesser oder Silizium-Strahlungssensoren nutzen meist eine Solarzelle, um die auf sie auftreffende Strahlung zu ermitteln. Man macht sich hier zu Nutze, dass der gemessene Kurzschlussstrom der Solarzelle direkt proportional zur eintreffenden Strahlung ist.
Abbildung: © solarduino.com
Vorteil dieser Messmethode ist der sehr preisgünstige Aufbau des Sensors. Der Nachteil dieses Sensors ist aber seine unterschiedliche spektrale Empfindlichkeit für Licht mit verschiedenen Wellenlängen. Langwellige Infrarotstrahlung kann er überhaupt nicht erfassen. Deshalb kann es zu einzelnen Tagesstunden zu größeren Abweichungen kommen2). Siehe dazu auch im Kapitel Vergleich der Messprinzipien weiter unten.
Lichtempfindliche Photodiode
Die einfachste Methode zur (indirekten) Messung der Strahlung ist die Verwendung einer lichtempfindlichen Photodiode. Eine Photodiode misst nicht die eigentliche Strahlung (daher indirekte Messung) sondern die Helligkeit des auf sie auftreffenden Lichts. Als Messgröße der Helligkeit wird meist "Lux" verwendet, was noch die Empfindlichkeit des menschlichen Auges mit berücksichtigt. Physikalisch besteht daher kein direkter Zusammenhang zwischen Globalstrahlung und Helligkeit in Lux. Es gibt allerdings wissenschaftliche Untersuchungen, die dennoch einen (mathematischen) Zusammenhang ermittelt haben3). Hierbei wurden verschiedene Faktoren zur Umrechnung "Lux in W/m²" ermittelt. Auch die sehr weit verbreiteten FOSHK (Ecowitt) Wetterstationen nutzen ausschließlich diese (sehr kostengünstige) Messmethode. Ein kurzer Versuch, bei dem wir unseren photovoltaischen Strahlungsmesser mit dem Lux-Sensor verglichen haben, hat ebenfalls den Zusammenhang bestätigt. Hierbei haben wir die von FOSHK verwendete Formel benutzt: Solarstrahlung in W/m² = Gemessene Helligkeit in Lux / 126.7
Vergleich der Messprinzipien
Wie oben schon erwähnt ist die Messung mittels Pyranometer die genaueste Ermittlung der Globsalstrahlung. Die spektrale Empfindlichkeit eines Pyranometers (2) zeigt über den gesamten Bereich des Sonnenspektrums (1) eine nahezu flache Charakteristik, während sich die spektrale Empfindlichkeit eines photovoltaischen Strahlungsdetektors (3) auf den Bereich von 400 nm nis ca. 1200 nm beschränkt.
Auf Grund der hohen Kosten für ein Pyranometer kommen in privaten Wetterstationen dennoch häufig photovoltaischen Strahlungsmesser oder sogar nur Photodioden zum EInsatz.
Abbildung: © Spektrum.de
Einkaufsliste
Komponente | Preis | Bezugsquelle (Beispiel) |
---|---|---|
INA219 Stromsensor mit Breakoutboard | 4 EUR | BerryBase |
Solarzelle 60x60mm, 1V, 500 mA (CNC60x60-1) | 5 EUR | AliExpress |
Gehäuse, wasserdicht, 100x68x50mm | 5 EUR | Amazon |
4x Kabeldurchführung M12x1,5 | 2 EUR | Amazon oder Baumarkt |
Rohrschelle 25-28 mm / 3/4" + M8x10mm Senkkopf | 2 EUR | Amazon oder Baumarkt |
Buchsenleiste 1-polig, RM 2,54mm | (8 EUR) | Amazon |
Streifenraster-Platine 160 x 100 mm, RM 2,54mm | (2 EUR) | Amazon |
GESAMT | 18 EUR |
Sensorauswahl
Wir bauen einen photovoltaischen Strahlungsmesser. Dazu benötigen wir eine entsprechend geeignete Solarzelle - wir nutzen eine Zelle mit der Bezeichnung CNC60x60-1. Zur Messung der Kurzschlussspannung benötigen wir zudem ein Modul zur Messung der Stromstärke, dazu verwenden wir das sehr gute Modul INA219.
Abbildungen: (c) Adafruit und (c) Kaifa Co. Ltd.
Solarzelle
Bei der Solarzelle muss man auf 3 Dinge achten:
- Größe - eine zu kleine Sensorfläche erzeugt zur Messung eine zu geringe Stromstärke.
- Spannung - je kleiner die Spannung, desto besser. Mehr als 26V kann der INA219 nicht messen.
- Stromstärke - je größer die Kurzschlussspannung ist, desto besser (hochauflösender) ist das Messergebnis.
Zusätzlich benötigt man zwingend die Angabe zum Kurzschlussstrom (Isc). Dieser wird immer unter Normbedingungen von 1000 W/m² bestimmt. Somit ist dieser Wert unsere Kalibrierung des Moduls! Ohne Angabe ist eine Messung nicht möglich! Das war bei der Recherche nach einer geeigneten Solarzelle auch der schwierigste Teil! Häufig fehlt diese Angabe in den Shops.
Wir verwenden eine 60x60mm große Solarzelle des Onlineshops Kaifa Co. Ltd. (ich vermute, dass das nur der Händler ist, der Hersteller der Zelle ist mir nicht bekannt). Die genaue Bezeichnung ist CNC60x60-1.
Technische Daten:
- Name: CNC60x60-1
- Size: 60x60mm
- Peak voltage: 1V
- Open circuit voltage: 1.2V
- Peak current: 500 mA
- Short circuit current (mA): 558 mA
Stromsensor INA219
Technische Daten:
- Strommesswiderstand: 0,1 Ohm / 1% / 2 W
- Zielspannung: bis zu 26 V
- Strommessung: bis zu 3,2 A
- Auflösung: 0,8 mA
- Abmessungen: ca. 26 x 22 mm
Datenblatt:
Gehäuse
Das Gehäuse des Strahlungssensors dient neben der Aufnahme der Solarzelle zusätzlich auch noch als "Kabel-Verteilbox" für weitere Sensoren der Wetterstation. Der Stromsensor INA219 kommt direkt auf die Platine unserer Steuerung und nicht in dieses Gehäuse. Wir verwenden das gleiche wasserdichte Gehäuse mit den Abmessungen 100 x 68 x 50mm wie auch schon für den Raspberry und den Helligkeitssensor.
Zum Anschluss aller Kabel verwenden wir eine Lochrasterplatine, auf die wir entsprechende Klemmen löten. Damit die Platine mit den Anschlussklemmen für die Kabelverteilung in das Gehäuse montiert werden kann, haben wir ein 3D-Druckteil entworfen, welches ihr Euch hier direkt herunterladen könnt: grundplatte_100x68x50mm_solarsensor_v3.zip